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 Wieso kann man eine Gitarre nicht für Linkshänder-Spielweise einfach umdrehen?

Interessierte Linkshänder, die das Gitarrenspiel erlernen wollen, treffen mit großer Sicherheit auch auf den Tipp, man könnte mit wenigen Handgriffen eine Rechtshänder-Konzertgitarre in eine Gitarre für Linkshänder umbauen: Die sechs unterschiedlich dicken Gitarrensaiten werden dazu entfernt und neu aber in umgekehrter Reihenfolge wieder aufgezogen. Sollten die Einfädel-Löcher an dem einen Ende bzw. die Sattelkerben am anderen Ende nun teilweise zu klein sein, werden diese behutsam aufgebohrt bzw. weiter gefeilt. Instrumente vom Flohmarkt kann man sicher auf diese Art und Weise zu Ausprobier-Leftys umwandeln. Bei neuen und teureren Gitarren ist die mögliche Beschädigung aber größer als der Nutzen, denn dieses Umdrehen der Gitarre führt technisch zu keinem einwandfreien Ergebnis. Der Grund dafür ist, dass im Detail betrachtet die Gitarre nicht symmetrisch ist.

Westerngitarre mit Cutaway und Tonabnehmer

Dass die hier abgebildete Westerngitarre nicht mal annähernd symmetrisch ist, erkennt auch der Gitarren-Laie. Würde man diese Gitarre auf links umdrehen, so wäre das schwarze Schlagbrett (1) nun oberhalb des Schalllochs, die Bedienelemte (2) des Tonabnehmer-Systems unterhalb der Gitarre und damit nicht mehr zugänglich, der Korpusausschnitt (3) am Hals- Korpusübergang, der das Greifen in den höheren Bünden erleichtern soll, wäre nun oben auf der Gitarre und hätte seine Funktion verloren.

Das Alles ist offensichtlich, aber der entscheidene Punkt ist ein Detail: Der Gitarrensteg (4) verläuft nämlich minimal schräg von links unten nach rechts oben. Da dieser in eine passgenaue Ausfräsung eingesetzt ist, kann er auch nicht gedreht werden. Der Grund hierfür ist physikalischer Natur:

Die Einteilung des Griffbretts in Bünde ist exakt berechnet, damit jede gestimmte Saite in jedem Bund auf dem gesamten Griffbrett einen sauberen Ton erzeugt. Unterschiedlich dicke Saiten haben aber ein geringfügig unterschiedliches Schwingungsverhalten. Bei der Gitarre werden die Saiten von oben nach unten dünner (bzw. auf der Abb. von links nach rechts). Man kann durch den schräg eingesetzten Steg die Schwingungsunterschiede ausgleichen. Dreht man die Gitarre auf links um, so fehlt nicht nur dieser Ausgleich sondern die Schwingungsunterschiede werden zusätzlich sogar noch verstärkt.

Die Gitarre ist dadurch nicht mehr “oktavrein“, wie der Gitarrenbauer dies bezeichnet. Das heißt, die Gitarre kann 100%ig genau gestimmt werden, trotzdem klingt sie schief, und zwar umso stärker je höher auf dem Griffbrett gespielt wird.

 Wieso kann man eine Gitarre nicht für Linkshänder-Spielweise einfach umdrehen?

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